Berliner Boersenzeitung - Premiere in Niedersachsen: Plattdeutsch als reguläre zweite Fremdsprache genehmigt

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Premiere in Niedersachsen: Plattdeutsch als reguläre zweite Fremdsprache genehmigt
Premiere in Niedersachsen: Plattdeutsch als reguläre zweite Fremdsprache genehmigt / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP/Archiv

Premiere in Niedersachsen: Plattdeutsch als reguläre zweite Fremdsprache genehmigt

In Niedersachsen können erste Schüler ab dem kommenden Schuljahr Plattdeutsch als reguläre zweite Fremdsprache wählen. Das Kultusministerium in Hannover erteilte der Oberschule im ostfriesischen Uplengen nach Angaben vom Donnerstag die Genehmigung, Niederdeutsch als Unterrichtsfach anzubieten. "Heute schreiben wir ein neues Kapitel für unsere Sprachenvielfalt in Niedersachsen", erklärte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) dazu.

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Die Genehmigung gilt laut Ministerium für Schüler, die ab dem 1. August in den sechsten Jahrgang der Oberschule in der Gemeinde nordwestlich von Leer eintreten. Plattdeutschunterricht in Wahlpflichtfächern oder Arbeitsgemeinschaften gibt es demnach an niedersächsischen Schulen schon länger. Neu ist aber das Angebot als reguläre zweite Fremdsprache.

Die Schule arbeitet demnach eng mit der Universität Oldenburg bei der Ausbildung von Lehramtsstudierenden zusammen. An der Hochschule wird für diese bereits bereits seit 2023 ein entsprechender Studiengang für Niederdeutsch angeboten. In Uplengen sollen ab 2028 auch die nötigen Ausbildungsplätze bereitstehen, um Referendarinnen und Referendare im sogenannten Vorbereitungsdienst für das neue Unterrichtsfach zu schulen.

Die Lehrkräfte der Oberschule arbeiten außerdem federführend an der Entwicklung eines Kerncurriculums für Niederdeutsch mit - also einem detaillierten Lehr- und Lernzielplan für den entsprechenden Unterricht.

Bereits 2017 beschloss der niedersächsische Landtag die Weiterentwicklung des Plattdeutschunterrichts zum ordentlichen Schulfach. Plattdeutsch ist die gebräuchlichere umgangssprachliche Bezeichnung für die niederdeutsche Regionalsprache, die früher neben dem als eigentlich Bildungssprache geltenden Hochdeutsch in Norddeutschland im Alltag weit verbreitet war, ihre Bedeutung mit der Zeit jedoch weitgehend einbüßte.

Nach der Jahrtausendwende setzte nach Angaben des Kultusministeriums in Hannover allmählich ein Umdenken ein - nicht zuletzt ausgelöst durch Initiativen der EU und des Europarats für den Erhalt der kulturellen Vielfalt in den Mitgliedsstaaten. In einer Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen erhielten Niederdeutsch sowie die Teilen Niedersachsens gesprochene Minderheitensprache Saterfriesisch einen speziellen rechtlichen Status. Niedersachsen ging demnach als eines von acht Bundesländern entsprechende Förderverpflichtungen ein.

Dem Ministerium zufolge änderte sich auch die pädagogische Bewertung. Erschienen Regionalsprachen wie das Plattdeutsch früher als tendenziell "bildungshemmend", gelten sie demnach heute als "wichtige Bestandteile der Mehrsprachigkeit". Wer zweisprachig mit Hoch- und Niederdeutsch aufwachse, lerne leichter Fremdsprachen, teilte das Ministerium mit.

(L.Kaufmann--BBZ)