Berliner Boersenzeitung - Streit zwischen Peking und Tokio: Hunderttausende Flugtickets nach Japan storniert

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Streit zwischen Peking und Tokio: Hunderttausende Flugtickets nach Japan storniert
Streit zwischen Peking und Tokio: Hunderttausende Flugtickets nach Japan storniert / Foto: GREG BAKER - AFP

Streit zwischen Peking und Tokio: Hunderttausende Flugtickets nach Japan storniert

Der diplomatische Streit zwischen Peking und Tokio wegen Äußerungen der japanischen Regierungschefin Sanae Takaichi zu Taiwan hat offenbar massive Auswirkungen auf den Reiseverkehr von China nach Japan. Angesichts einer von Peking verhängten Reisewarnung wurden bislang wohl rund 500.000 Flugtickets nach Japan von chinesischen Passagieren storniert, wie ein Fluganalyst am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP sagte. Peking hatte am Freitag vor Reisen nach Japan gewarnt. Nun mahnte Tokio seine Bürger in China zur Vorsicht.

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Die von Peking verhängte Reisewarnung für Japan habe einen "dramatischen Effekt", sagte der unabhängige Fluganalyst Li Hanming, der seit 2023 täglich Daten zu den Flugbuchungen chinesischer Passagiere bei großen Fluggesellschaften und Online-Reiseagenturen sammelt. Laut seinen Daten sank die Zahl der aktiven Buchungen von 1,5 Millionen am 15. November binnen zwei Tagen auf eine Million. Demzufolge wurden rund 500.000 Reisen storniert. "Es wird definitiv mehr Stornierungen geben, wenn die Spannungen zunehmen", betonte Li.

Chinesische Reiseanbieter reagierten unterschiedlich auf die Reisewarnung. Eine große staatliche Reiseagentur entfernte entsprechenden Reisemöglichkeiten aus ihrer App. Eine weitere in Peking ansässige Reiseagentur erklärte auf Anfrage von AFP, keine Buchungen von Reisen nach Japan mehr anzunehmen. Andere Anbieter teilten mit, dass ihre Japanreisen wie gewohnt stattfinden würden und äußerten die Hoffnung, dass die Beeinträchtigung nur vorübergehend sei.

Mehrere große chinesische Fluggesellschaften, darunter die drei größten, bieten die vollständige Erstattung von Flugtickets für Reisen bis Jahresende nach Japan an.

Chinesische Touristen machen den größten Anteil von Besuchern in Japan aus. In den ersten neun Monaten des Jahres haben laut japanischen Angaben fast 7,5 Millionen Chinesen Japan besucht.

Auslöser der jüngsten Spannungen zwischen Peking und Tokio sind Äußerungen von Japans neuer Regierungschefin Takaichi über einen möglichen Militäreinsatz ihres Landes zur Verteidigung Taiwans. Takaichi hatte Anfang November vor dem Parlament gesagt, eine militärische Eskalation des Taiwan-Konflikts etwa durch den Einsatz chinesischer Kriegsschiffe könne auch Japan in seiner Existenz bedrohen. Für den Fall eines solchen "Worst-Case-Szenarios" schloss die Regierungschefin den Einsatz japanischer Soldaten nicht aus und verwies auf das Recht zur "kollektiven Selbstverteidigung".

China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll - notfalls mit militärischer Gewalt. Japan hatte Taiwan, das nur rund 60 Kilometer von der nächstgelegenen japanischen Insel entfernt ist, bis 1945 jahrzehntelang besetzt gehalten.

Inmitten der wachsenden Spannungen mit Peking mahnte Japan seine Bürger am Dienstag zur Vorsicht. "Achten Sie auf Ihre Umgebung und meiden sie so gut wie möglich Plätze, auf denen sich große Menschenmengen versammeln", erklärte die japanische Botschaft in China auf ihrer Website.

Der japanische Regierungssprecher Minoru Kihara sagte, eine solche Empfehlung werde "basierend auf einer umfassenden Bewertung der politischen Situation, darunter der Sicherheitslage in dem entsprechenden Land oder der entsprechenden Region sowie der sozialen Bedingungen ausgesprochen".

Die Botschaft empfahl Japanern in China zudem, Orte zu meiden, bei denen leicht ersichtlich sei, dass sie von vielen Japaner aufgesucht werden. Sie rief japanische Staatsangehörige auf, "die lokalen Gepflogenheiten zu respektieren" und im Umgang mit Einheimischen auf ihre Worte und ihr Verhalten zu achten.

Die chinesische Außenamtssprecherin Mao Ning sagte auf Nachfrage zu der Warnung Tokios: "Die chinesische Regierung hat die Sicherheit von ausländischen Bürgern in China immer geschützt" und werde dies auch weiterhin in Übereinstimmung mit dem Gesetz tun.

Chinesische Staatsmedien berichteten unterdessen, dass der Filmstart von mindestens zwei japanischen Produktionen in China verschoben worden sei. "Japans provokative Äußerungen werden die Wahrnehmung des chinesischen Publikums von japanischen Filmen unweigerlich beeinflussen", erklärte das Medium China Film News, das der staatlichen Filmbehörde unterstellt ist.

China und Japan sind wichtige Handelspartner. Geschichtlich begründetes Misstrauen und offene Gebietsstreitigkeiten führen jedoch immer wieder zu Spannungen.

(U.Gruber--BBZ)