Berliner Boersenzeitung - Kraftwerksleiter in Tschernobyl warnt vor Einsturzgefahr der Schutzhülle bei Angriffen

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Kraftwerksleiter in Tschernobyl warnt vor Einsturzgefahr der Schutzhülle bei Angriffen
Kraftwerksleiter in Tschernobyl warnt vor Einsturzgefahr der Schutzhülle bei Angriffen / Foto: Tetiana DZHAFAROVA - AFP

Kraftwerksleiter in Tschernobyl warnt vor Einsturzgefahr der Schutzhülle bei Angriffen

Im havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl ist ukrainischen Angaben zufolge die wichtige Reaktor-Schutzhülle im Fall eines russischen Angriffs einsturzgefährdet. Ein Raketen- oder Drohnenangriff in der Nähe des Kraftwerks würde ausreichen, um ein Mini-Erdbeben auszulösen, sagte Kraftwerksleiter Serhij Tarakanow im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Niemand könne garantieren, dass die durch einen russischen Angriff bereits beschädigte Schutzhülle "danach noch stehen bleibt". Dies sei derzeit "die größte Gefahr".

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Im rund 100 Kilometer nördlich von Kiew gelegenen Atomkraftwerk Tschernobyl war am 26. April 1986 ein Reaktor explodiert. Der Vorfall zu Sowjetzeiten gilt als weltweit größte Atomkatastrophe und verseuchte weite Regionen in der Ukraine, in Russland und in Belarus.

Die Überreste des Kernkraftwerks sind von einer inneren Strahlungsschutzhülle aus Stahl und Beton umgeben – bekannt als Sarkophag, der nach der Katastrophe hastig errichtet wurde. Eine modernere äußere Schutzhülle, genannt New Safe Confinement (NSC), umgibt den gesamten Reaktor. Die Hülle isoliert den zerstörten vierten Reaktorblock des Kernkraftwerks Tschernobyl und verhindert die Freisetzung radioaktiver Strahlung.

Bereits im Februar war das Dach der äußeren Schutzhülle jedoch bei einem russischen Drohnenangriff schwer beschädigt worden. Ein Großbrand zerstörte Teile der Außenverkleidung. "Unsere NSC hat mehrere ihrer Hauptfunktionen verloren. Und wir gehen davon aus, dass es mindestens drei bis vier Jahre dauern wird, bis diese Funktionen wiederhergestellt sind", erklärte Tarakanow.

Derzeit seien die Strahlenwerte am Standort jedoch "stabil und innerhalb der normalen Grenzen". Das größte durch den russischen Drohnenangriff verursachte Loch in der Außenhülle sei mittlerweile mit einer Schutzschicht abgedeckt worden. Jedoch müssten noch rund 300 kleinere Löcher repariert werden, die bei den Löscharbeiten entstanden seien.

In den ersten Tagen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 hatten russische Truppen das Gelände von Tschernobyl unter ihre Kontrolle gebracht, sich später aber von der Anlage wieder zurückgezogen. Das Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine ist hingegen seit März 2022 von russischen Soldaten besetzt. Russland und die Ukraine werfen sich seitdem regelmäßig vor, die Sicherheit der Anlage zu gefährden und das Risiko einer Nuklearkatastrophe zu erhöhen.

(H.Schneide--BBZ)