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Gut ein Jahr vor der in Frankreich anstehenden Präsidentschaftswahl hat der Parteichef der konservativen Republikaner, Bruno Retailleau, seinen Hut in den Ring geworfen. "Ich wollte Dich persönlich darüber informieren, dass ich meine Kandidatur erklären werde", schrieb Retailleau am Donnerstag in einer Nachricht an sämtliche Abgeordneten der Republikaner. Er ist der erste aus seiner Partei, der seine Kandidatur öffentlich erklärt. Ob es zu einer Vorwahl kommt, ist offen.
Ambitionen auf das höchste Staatsamt werden auch dem Fraktionschef der Republikaner, Laurent Wauquiez, und dem ehemaligen Premierminister Michel Barnier nachgesagt. Bei der im April 2027 anstehenden Wahl kann der seit 2017 amtierende Präsident Emmanuel Macron nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.
Derzeit liegen in den Umfragen die beiden möglichen Kandidaten der Rechtspopulisten, Parteichef Jordan Bardella und Fraktionschefin Marine Le Pen, vorn. Wer von beiden antritt, entscheidet sich nach der für 7. Juli erwarteten Verkündung des Urteils in einem Berufungsverfahren gegen Le Pen, bei dem es um die Veruntreuung von EU-Geldern geht.
Der 65 Jahre alte Retailleau hatte sich 2024/25 als Innenminister mit einem harten Einwanderungskurs einen Namen gemacht.
Die französischen Konservativen stellten bislang fünf Präsidenten. Der bislang letzte war Nicolas Sarkozy, der seit Ende seiner Amtszeit viel Zeit vor Gericht und drei Wochen im Gefängnis verbracht hat. Dies hat das Image seiner Partei nicht gerade befördert.
Der frühere Parteichef der Republikaner, Eric Ciotti, hatte sich bei der Parlamentswahl 2024 mit der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National verbündet - und sich dann monatelang geweigert, sein Amt bei den Republikanern abzugeben.
Retailleau kommt in Umfragen derzeit auf acht Prozent Zustimmung. Als Präsidentschaftskandidaten haben sich bislang neben anderen der frühere Mitte-Rechts-Premierminister Edouard Philippe und die Grünen-Parteichefin Marine Tondelier ins Spiel gebracht.
(L.Kaufmann--BBZ)