Berliner Boersenzeitung - Nach Drohnen-Einschlag: Scharfe Kritik an Moskau - Unterstützung für Bukarest

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Nach Drohnen-Einschlag: Scharfe Kritik an Moskau - Unterstützung für Bukarest
Nach Drohnen-Einschlag: Scharfe Kritik an Moskau - Unterstützung für Bukarest / Foto: Daniel MIHAILESCU - AFP

Nach Drohnen-Einschlag: Scharfe Kritik an Moskau - Unterstützung für Bukarest

Die Nato und die EU-Staaten haben ihrem Verbündeten Rumänien nach dem Einschlag einer russischen Drohne in ein Wohnhaus ihre Unterstützung zugesichert und Russlands Vorgehen scharf verurteilt. Die Nato sei bereit, "jeden Zentimeter des Bündnisgebiets zu verteidigen", erklärte Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Freitag im Onlinedienst X. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Bukarest machte vollumfänglich Moskau für den Vorfall verantwortlich und erklärte Russlands Generalkonsul in Konstanza zur unerwünschten Person.

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Er habe Rumäniens Präsident Nicosur Dan die "uneingeschränkte Solidarität" der Nato ausgesprochen, erklärte Rutte. Die Nacht zum Freitag habe erneut gezeigt, dass die Auswirkungen des "illegalen Angriffskriegs" Russlands "nicht an der Grenze Halt machen".

Bundeskanzler Merz erklärte auf X, der Vorfall zeige "einmal mehr Russlands Bereitschaft zur Eskalation". Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte zusätzliche Anstrengungen an, um die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine und die europäische Verteidigung im Rahmen der Nato zu stärken.

Neben Deutschland kritisierten auch Frankreich und Großbritannien die Verletzung des Nato-Luftraums scharf. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot warf Moskau eine "unverantwortliche Handlung" vor. Die britische Außenministerin Yvette Cooper bezeichnete das Geschehen als "extrem gefährlich".

Auch der US-Botschafter bei der Nato, Matthew Whitaker, verurteilte das "rücksichtslose Eindringen" in das rumänische Hoheitsgebiet. "Wir stehen an der Seite unseres Nato-Verbündeten", erklärte er auf X bezogen auf Rumänien.

Die russische Drohne hatte in der Nacht zum Freitag ein Wohnhaus in der Stadt Galati nahe der Grenze zur Ukraine getroffen. Dabei seien zwei Menschen verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Bukarest mit. Der Vorfall habe sich bei nächtlichen russischen Drohnenangriffen auf zivile Ziele und Infrastruktureinrichtungen in der Ukraine nahe der Grenze zu Rumänien ereignet.

Nähere Informationen dazu, weshalb die russische Drohne in Galati einschlug, lagen am Freitag zunächst nicht vor. Russland äußerte sich nicht zu dem Vorfall.

Die rumänischen Streitkräfte hätten nicht genügend Zeit gehabt, die Drohne abzuschießen, erklärte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums in Bukarest. Binnen vier Minuten habe es "keine realistischen Möglichkeiten gegeben, sie sicher anzugreifen".

Rumäniens Präsident Dan nannte den Vorfall auf Facebook "beispiellos" und sprach vom "schwersten Vorfall" in seinem Land seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Frühjahr 2022. Die Entscheidung, nicht einzugreifen, sei getroffen worden, weil "die notwendigen Bedingungen für eine Zerstörung des Raketensystems ohne eine erhebliche Gefährdung der Sicherheit der Zivilbevölkerung nicht gegeben" gewesen seien.

Später sagte Rumäniens Staatschef: "Russland trägt die volle Verantwortung für diesen Vorfall." Angesichts dessen werde das russische Generalkonsulat in der Schwarzmeerstadt Konstanza geschlossen, sagte er in einer Videobotschaft.

Der Vorfall beweise "einmal mehr, dass die russische Aggression eine reale Bedrohung für die Schwarzmeerregion und ganz Europa darstellt", erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bei X. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte seine europäischen Verbündeten auf, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. Die EU müsse Moskau "deutlich machen, dass seine Angriffe erhebliche Verluste für Russland selbst bedeuten", erklärte er auf X.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, Russland habe mit seinem Vorgehen bei seinem seit mehr als vier Jahren andauernden "Angriffskrieg eine weitere Grenze überschritten". Das Nato-Oberkommando der Alliierten Streitkräfte in Europa (Shape) teilte mit, dass als Reaktion auf den Vorfall zwei rumänische Kampfjets unter Nato-Kommando gestartet seien.

Im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kommt es immer wieder zu Luftraumverletzungen durch Drohnen Russlands oder auch der Ukraine. Im Herbst vergangenen Jahres waren außerdem russische Militärjets in den estnischen Luftraum eingedrungen.

Das Land beantragte daraufhin eine Sitzung des Nordatlantikrats, des höchsten politischen Entscheidungsgremiums der Allianz, unter Artikel 4 des Nordatlantikvertrags. Kurz zuvor hatte bereits Polen diesen Schritt gewählt, nachdem 19 russische Drohnen in den Luftraum des Landes eingedrungen waren.

Artikel 4 sieht vor, dass jedes Nato-Mitglied im Fall einer Bedrohung seiner "territorialen Integrität, politischen Unabhängigkeit oder Sicherheit" die Einberufung einer Sitzung des Nato-Rates verlangen kann.

(T.Renner--BBZ)