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Bei neuen russischen Angriffen auf die Ukraine sind nach Behördenangaben mindestens acht Menschen getötet worden. Mehr als ein Dutzend Menschen wurde zudem verletzt, wie die ukrainischen Behörden am Donnerstag mitteilten. Im benachbarten Polen schlug ein Objekt ein, bei dem es sich laut Ministerpräsident Donald Tusk wahrscheinlich um einen russischen Marschflugkörper handelte. Derweil wurden zwei Logistikzentren des russischen Onlineriesen Wildberries Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.
Eine von Russland abgefeuerte Rakete traf ein Wohnhaus in der Nähe der Stadt Krywyj Rih im Zentrum der Ukraine, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Drei Erwachsene und drei Kinder derselben Familie seien getötet worden. "Es war ein ganz normales Haus, das von einer ballistischen Rakete in Stücke gerissen wurde", erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zwei weitere Kinder hätten lebend geborgen werden können.
Die Behörden in der ostukrainischen Region Poltawa teilten mit, bei einem Angriff auf ein Lagerhaus sei ein Mensch getötet worden. In Kiew wurde nach Angaben der örtlichen Militärverwaltung ebenfalls ein Mensch getötet, zwei weitere seien verletzt worden.
Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete in der Nacht zum Donnerstag von mehreren Explosionen in der ukrainischen Hauptstadt. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, Russland greife Kiew mit ballistischen Waffen an. Bei Angriffen auf die westukrainische Stadt Lwiw wurden mindestens 31 Menschen verletzt.
Zuvor hatte Präsident Selenskyj vor einem drohenden "massiven" russischen Angriff gewarnt. Er rief zudem die USA und weitere westliche Verbündete der Ukraine dazu auf, Patriot-Luftabwehrraketen zu liefern. Kiew benötigt diese zur Abwehr von russischen Angriffen mit ballistischen Raketen. Am Dienstag hatte Selenskyj in Washington mit US-Präsident Donald Trump über das Patriot-Abwehrsystem gesprochen.
Nach der massiven Angriffswelle erneuerte Selenskyj seinen Aufruf an die Verbündeten, Abfangraketen zu liefern. "Dieser russische Terror beweist einmal mehr, dass der Schutz vor der russischen Raketenbedrohung das Wichtigste ist", erklärte er. Die Ukraine stehe vor einem "kritischen Mangel an Luftabwehrraketen von unseren Partnern".
Insgesamt griff Russland die Ukraine nach ukrainischen Angaben in der Nacht zum Donnerstag mit 74 Raketen und 284 Drohnen an. Die ukrainische Luftwaffe fing nach eigenen Angaben 55 Raketen und 265 Drohnen ab. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es seien ukrainische militärisch-industrielle Komplexe sowie militärische Kommunikations- und Logistikzentren getroffen worden.
In Polen, das an die Ukraine grenzt, erklärte die Polizei, einen zehn Meter großen Krater auf einem Feld entdeckt zu haben. Verursacht wurde er laut Regierungschef Tusk mutmaßlich durch einen russischen Marschflugkörper.
Die Anwohner des Ortes Tarnawa Kolonia in der Region Lublin hörten nach Polizeiangaben am Donnerstagmorgen eine laute Explosion. Die Einschlagstelle liegt demnach etwa 80 Kilometer entfernt von der Grenze zur Ukraine.
Die Anwohner alarmierten die Polizei, die den Angaben zufolge den Krater auf einem Feld entdeckte. Der Krater sei rund zwei Kilometer von Häusern entfernt. Auch seien Trümmer eines Objekts gefunden worden. Die Armee bestätigte, dass ein in der Nacht eingesetzter Hubschrauber an derselben Stelle den mutmaßlichen Einschlagort des Objekts ausgemacht habe.
"Die geborgenen Fragmente deuten darauf hin, dass es sich um einen russischen" Ch-101-Marschflugkörper handelt, sagte Tusk auf einer Pressekonferenz in Lublin.
Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte: "In der Nacht ist ein russischer Marschflugkörper vom Typ Ch-101 im Rahmen von Russlands massivem Angriff auf die Ukraine in den polnischen Luftraum eingedrungen und hat damit den Nato-Luftraum verletzt."
EU-Ratspräsident António Costa teilte mit, während des jüngsten russischen Angriffs gegen die Ukraine sei der polnische Luftraum verletzt worden.
In Russland wurden derweil erneut Logistikzentren des russischen Onlinehändlers Wildberries Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. In der westrussischen Region Pensa sei dabei ein Mensch verletzt worden, erklärte der örtliche Gouverneur Oleg Melnitschenko. Mehr als 200 Mitarbeiter seien nach dem Drohnenangriff evakuiert worden, der einen Brand in einem Wildberries-Lager ausgelöst habe.
Ein weiteres Wildberries-Lager wurde in der Nacht in Sarapul, etwa 1100 Kilometer östlich von Moskau, Ziel eines ukrainischen Drohnenangriffs, wie das Unternehmen mitteilte. Es sei ein Feuer ausgebrochen. Das Personal sei evakuiert worden.
Seit knapp zwei Wochen greift die Ukraine immer wieder Logistikzentren von Wildberries an. Kiew bezeichnet das Unternehmen, das für russische Verbraucher und Händler von großer Bedeutung ist, als wichtig auch für die russische Militärlogistik.
(Y.Berger--BBZ)