Berliner Boersenzeitung - ifo-Institut: Deutsche Unternehmen bauen weiter Stellen ab

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ifo-Institut: Deutsche Unternehmen bauen weiter Stellen ab
ifo-Institut: Deutsche Unternehmen bauen weiter Stellen ab / Foto: THOMAS KIENZLE - AFP/Archiv

ifo-Institut: Deutsche Unternehmen bauen weiter Stellen ab

Deutsche Unternehmen wollen weiter Stellen abbauen. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten neuen Beschäftigungsbarometer des Münchner ifo-Instituts hervor. Besonders stark betroffen ist demnach die Industrie. Den Wegfall weiterer Arbeitsplätze in erheblichem Umfang erwartet auch die Beratungsgesellschaft Ernst&Young (EY).

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"Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt – auch wegen des Strukturwandels in der Wirtschaft", erklärte der Leiter des ifo-Bereichs Umfragen, Klaus Wohlrabe. Das ifo-Beschäftigungsbarometer sank im Februar auf 93,0 Punkte, nach 93,4 Punkten im Januar. Von einzelnen positiven Ausschlägen abgesehen sind die Werte des Barometers seit Mitte 2022 relativ kontinuierlich gesunken.

Im Bereich Industrie gab es im Februar in dem Barometer einen leichten Anstieg von minus 22,4 im Januar auf nun minus 19,8 Punkte. Gleichwohl bleibe in diesem Sektor der geplante Abbau von Stellen "vergleichsweise stark ausgeprägt", hieß es in der Analyse.

Auch im Dienstleistungssektor wollen demnach die Unternehmen ihre Personalplanung "restriktiver ausrichten". Der ifo-Wert sank im Monatsvergleich von plus 1,0 auf minus 1,4. Besonders stark war der Rückgang der Analyse zufolge im IT-Bereich.

Schwierig bleibe die Lage zudem im Handel, hieß es. Auch hier strebten die Unternehmen an, mit weniger Personal auszukommen. Der ifo-Wert sank von minus 15,6 auf minus 15,9. Eine "leichte Tendenz zu weniger Mitarbeitern" gebe es auch im Bausektor, hieß es. Hier verschlechterte sich der Wert von minus 3,9 auf minus 4,8.

Laut der Analyse von Ernst und Young wurden in der deutschen Industrie im Laufe des vergangenen Jahres etwa 70.000 Stellen abgebaut, ein Minus von 1,2 Prozent. Sogar um rund vier Prozent sank die Zahl der Beschäftigten demnach in der Textil- und Bekleidungsindustrie. In der Automobilindustrie habe es einen Rückgang um 2,4 Prozent gegeben.

Der EY-Experte Jan Brorhilker rechnet auch für das laufende Jahr mit einem weiteren Rückgang der Zahl der Industriearbeitsplätze. Bereits angekündigte Stellenstreichungen würden erst nach und nach in der Statistik sichtbar. "Bis zum Jahresende dürften daher weitere 100.000 Industriearbeitsplätze verloren gehen", warnte er. Eine Trendwende sei vorerst nicht in Sicht. Entscheidend dafür sei vor allem die Entwicklung in der Autoindustrie, die sich in einem schwierigen Transformationsprozess befinde.

"Die Beschäftigungsentwicklung reagiert mit Verzögerung auf die schwache Umsatzentwicklung, denn die Unternehmen versuchen, möglichst lang ohne einen Stellenabbau auszukommen", erklärte Brorhilker. Inzwischen habe sich die Krise jedoch so verfestigt, dass Kapazitäten an das schwache Nachfrageniveau angepasst werden müssten. Hinzu kämen Produktionsverlagerungen ins Ausland, vor allem bei Neuinvestitionen.

Brorhilker forderte vor allem Maßnahmen zur Stärkung der Binnennachfrage. Diese sei seit Jahren schwach, "was uns immer geholfen hat, war der Export", erklärte er. Inzwischen schrumpften aber auch die Ausfuhren der Industrie. Die schwache Nachfrage im Inland führt EY auf fehlende Investitionen, gestiegene Finanzierungskosten, aber auch eine allgemeine politische Verunsicherung zurück.

(F.Schuster--BBZ)