Berliner Boersenzeitung - Kriselnde Stahlsparte von Thyssenkrupp wird künftig von einer Chefin geführt

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Kriselnde Stahlsparte von Thyssenkrupp wird künftig von einer Chefin geführt
Kriselnde Stahlsparte von Thyssenkrupp wird künftig von einer Chefin geführt / Foto: Ina FASSBENDER - AFP

Kriselnde Stahlsparte von Thyssenkrupp wird künftig von einer Chefin geführt

Erstmals wird eine Frau Deutschlands größten Stahlkonzern führen: Den Vorstandsposten von Thyssenkrupp Steel übernimmt ab 1. November Marie Jaroni, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Die Ingenieurin, Jahrgang 1984, war erst vor rund einem Jahr in den Vorstand aufgerückt und dort bislang zuständig für den Vertrieb sowie für den Umbau hin zu einer klimafreundlicheren Stahlproduktion.

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"Marie Jaroni ist es in den vergangenen Monaten mit strategischem Weitblick, Überzeugungskraft und großem Einsatz gelungen, wesentliche Weichenstellungen beim Stahl vorzunehmen", erklärte die Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Ilse Henne. Als Unternehmenschefin habe sie nun gemeinsam mit ihrem Vorstandsteam "die Chance, Thyssenkrupp Steel in eine erfolgreiche Zukunft zu führen".

Die Stahlsparte von Thyssenkrupp kriselt seit Jahren. Sie leidet unter billiger Konkurrenz vor allem aus Asien, zugleich ist die Umstellung der höchst energieintensiven Stahlproduktion auf grüne Energie sehr teuer. Der Konzern Thyssenkrupp will die Tochter deshalb verkaufen. Angedacht war zunächst eine Übernahme durch die EP Group des tschechischen Geschäftsmannes Daniel Kretinsky - seit September wird nun jedoch mit dem indischen Jindal-Konzern über einen Verkauf verhandelt.

Jaronis Vorgänger Dennis Grimm hatte seinen Posten erst im September 2024 angetreten - dessen Vorgänger Bernhard Osburg wiederum war im Streit mit Konzernchef Miguel López Ende August 2024 zurückgetreten. Im November 2024 kündigte das Unternehmen an, die Zahl der Arbeitsplätze binnen sechs Jahren von 27.000 auf 16.000 zu reduzieren.

Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern dazu führte Jaroni - und zwar "ziel-, konsensorientiert und fair", wie am Freitag der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, IG-Metall-Bezirkschef Knut Giesler, erklärte. Gleiches gelte für die noch laufenden Gespräche zum Abschluss der Vereinbarungen. Dabei sei ein "ausgeprägtes Vertrauensverhältnis für die neue Aufgabe" entstanden.

Neben der neuen Chefin gibt es eine weitere Neubesetzungen im Unternehmensvorstand: Neuer Personalchef von Thyssenkrupp Steel wird Wilfried von Rath, er ist bereits der Personalvorstand des Gesamtkonzerns. Zudem wird Vertrag von Finanzvorstand Philipp Conze verlängert. Conze stehe für "die Transparenz und Klarheit, die wir auf dem Weg nach vorne brauchen", erklärte Giesler.

Jaroni studierte Metallurgie und Werkstofftechnik in Aachen, dort promovierte sie auch zum Thema Rohstoffversorgung in Europa. Sie war mehrere Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey tätig und ist seit 2017 bei Thyssenkrupp.

Im Konzern war sie für das Thema Transformation zuständig, bei der Stahlsparte ab 2020 zunächst für Strategie und Kommunikation. 2021 übernahm sie die Leitung des Dekarbonisierungs- und Nachhaltigkeitsbereichs und damit an führender Stelle verantwortlich für die Umsetzung der Transformation zur klimaneutralen Stahlproduktion. Seit Oktober 2024 ist sie Mitglied des Vorstands der Stahlsparte.

Im Podcast den Unternehmens "gekocht gewalzt veredelt" sagte Jaroni, es gebe keine Alternative dazu, "dass wir die Klimakatastrophe aufhalten". Thyssenkrupp Stahl müsse seinen Beitrag dazu leisten. Dazu gehöre, "unsere ganzen Prozesse umzustellen, sodass nachher kein CO2 mehr entsteht und wir kein CO2 mehr emittieren".

(H.Schneide--BBZ)