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Der langjährige Chef der US-Zentralbank Federal Reserve, Alan Greenspan, ist tot. Er starb im Alter von 100 Jahren an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung, wie seine Ehefrau Andrea Mitchell am Montag dem US-Sender NBC News mitteilte. Greenspan war 19 Jahre lang, von 1987 bis 2006, Vorsitzender der Fed.
"Er war eine herausragende Persönlichkeit, die jahrzehntelang unter Präsidenten beider Parteien die US-Wirtschaft mitgeprägt hat", erklärte Mitchell. Greenspan sei aber auch "stets ehrlich genug" gewesen, "seine Fehler einzugestehen", fügte sie hinzu. Kritiker warfen dem ehemaligen Fed-Chef vor, er habe mit seiner Niedrigzinspolitik der Finanzkrise von 2008 und 2009 den Boden bereitet.
In Greenspans Amtszeit erlebten die Vereinigten Staaten eine ihrer längsten Boom-Phasen, Bewunderer verehrten ihn als "Magier". Seine Äußerungen hatten so viel Gewicht, dass sie die globalen Finanzmärkte durcheinanderwirbeln konnten. So löste er Ende 1996, als er in einer Rede den Märkten wegen der hohen Aktienkurse eine "irrationale Überschwänglichkeit" bescheinigte, einen weltweiten Ausverkauf an den Börsen aus.
Greenspan wurde drei Jahre vor dem großen Börsencrash von 1929 geboren und wuchs in New York auf. Er studierte Wirtschaft an der New York University. Seine anschließende Promotion an der Eliteuni Columbia brach er 1953 ab, um eine Finanzberatungsfirma zu gründen. Später arbeitete Greenspan für die US-Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford, bevor ihn Ronald Reagan 1987 an die Spitze der Fed holte.
Zwei Monate nach seinem Amtsantritt meisterte Greenspan dann seine erste große Bewährungsprobe, den "Schwarzen Montag" am 19. Oktober 1987: Nach dem Börsencrash beruhigte der Notenbankchef die Märkte, indem er frisches Geld in das Finanzsystem pumpte.
Immer wieder reagierte Greenspan mit dieser Methode auf eine drohende Panik an den Börsen. Auch die Finanzmarktkrisen in Asien und Russland Ende der 90er Jahre beantwortete er mit deutlichen Zinssenkungen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 drückte Greenspan den Leitzins weiter, um Wirtschaft und Börsen in den USA zu stützen.
Mit seiner lockeren Geldpolitik entfachte er nach der Rezession der frühen 90er Jahre einen lang anhaltenden Konjunkturboom und widerlegte die Befürchtung vieler Ökonomen, dass zu schnelles Wachstum zu Inflation führe. Eine Zeit lang sah es so aus, als habe Greenspan ein Wundermittel für endloses Wirtschaftswachstum gefunden. Von staatlicher Regulierung der Märkte hielt er wenig. Stattdessen vertraute er darauf, dass den Finanzmärkten eine instinktive Vernunft innewohne, die sie vor Fehlentwicklungen schütze.
Die Ära Greenspan bei der Fed endete im Januar 2006. Der neue Notenbankchef Ben Bernanke musste dann schmerzlich erleben, dass die scheinbar magische Zinspolitik seines Vorgängers nicht ohne Nebenwirkungen war. Das billige Geld hatte eine gefährliche Blase auf dem Immobilienmarkt ausgelöst. 2008 stand das globale Finanzsystem am Rande des Kollaps und die Weltwirtschaft rauschte in eine Rezession.
(A.Lehmann--BBZ)