Berliner Boersenzeitung - Moritz Aisslingers Chronik des Jahres Null

EUR -
AED 4.27661
AFN 76.856474
ALL 92.107204
AMD 423.102712
ANG 2.084197
AOA 1069.008159
ARS 1762.296672
AUD 1.618087
AWG 2.09755
AZN 1.96126
BAM 1.954427
BBD 2.342774
BDT 143.389249
BGN 1.975413
BHD 0.438596
BIF 3473.159623
BMD 1.164497
BND 1.47956
BOB 13.46354
BRL 6.011951
BSD 1.163193
BTN 111.066437
BWP 15.585049
BYN 3.507965
BYR 22824.136875
BZD 2.339376
CAD 1.612799
CDF 2649.229895
CHF 0.937507
CLF 0.027402
CLP 1078.475151
CNY 7.825299
CNH 7.827538
COP 3678.470651
CRC 528.533171
CUC 1.164497
CUP 30.859165
CVE 110.187578
CZK 24.150907
DJF 207.126244
DKK 7.474666
DOP 68.413877
DZD 154.969443
EGP 58.533439
ERN 17.467452
ETB 189.994834
FJD 2.572665
FKP 0.85665
GBP 0.856912
GEL 3.039708
GGP 0.85665
GHS 13.032843
GIP 0.85665
GMD 86.172899
GNF 10223.772483
GTQ 8.876763
GYD 243.349014
HKD 9.128604
HNL 31.27841
HRK 7.53488
HTG 152.174383
HUF 365.542565
IDR 20621.607667
ILS 3.452908
IMP 0.85665
INR 111.285109
IQD 1526.073029
IRR 1600717.273081
ISK 140.197612
JEP 0.85665
JMD 184.66342
JOD 0.825595
JPY 185.75819
KES 150.75573
KGS 101.834675
KHR 4711.553728
KMF 492.582031
KPW 1048.047443
KRW 1599.039984
KWD 0.359411
KYD 0.969331
KZT 538.288711
LAK 26108.017924
LBP 104280.686761
LKR 382.151486
LRD 210.919438
LSL 18.620982
LTL 3.438457
LVL 0.704393
LYD 7.382531
MAD 10.77684
MDL 19.925171
MGA 5049.257543
MKD 61.4818
MMK 2445.453179
MNT 4187.823867
MOP 9.391322
MRU 46.719577
MUR 54.545648
MVR 17.99153
MWK 2022.730988
MXN 19.766943
MYR 4.691784
MZN 74.413248
NAD 18.616159
NGN 1562.801925
NIO 42.760544
NOK 10.85782
NPR 177.706662
NZD 1.954542
OMR 0.447679
PAB 1.163183
PEN 3.902199
PGK 5.165417
PHP 72.481186
PKR 323.261108
PLN 4.33853
PYG 6906.206737
QAR 4.244882
RON 5.25863
RSD 117.218644
RUB 100.086072
RWF 1710.645769
SAR 4.374484
SBD 9.316266
SCR 15.917248
SDG 700.444123
SEK 11.093253
SGD 1.479958
SHP 0.862736
SLE 28.705237
SLL 24418.914314
SOS 664.744342
SRD 43.938772
STD 24102.732223
STN 24.920231
SVC 10.17798
SYP 15140.787016
SZL 18.620916
THB 38.401575
TJS 10.730207
TMT 4.075739
TND 3.373567
TOP 2.803829
TRY 56.181171
TTD 7.895554
TWD 36.815604
TZS 3083.008713
UAH 51.824876
UGX 4367.930922
USD 1.164497
UYU 46.757347
UZS 13752.706604
VES 920.740935
VND 30371.240502
VUV 137.942003
WST 3.151556
XAF 655.507673
XAG 0.016916
XAU 0.000254
XCD 3.147111
XCG 2.096354
XDR 0.82336
XOF 655.502048
XPF 119.331742
YER 275.400097
ZAR 18.634336
ZMK 10481.86619
ZMW 22.129641
ZWL 374.967488
  • DAX

    146.4300

    26513.67

    +0.55%

  • Euro STOXX 50

    44.6500

    6469.38

    +0.69%

  • SDAX

    86.6200

    19039.17

    +0.45%

  • TecDAX

    8.9900

    4113.51

    +0.22%

  • Goldpreis

    1.1000

    4665.1

    +0.02%

  • MDAX

    189.3800

    33136.66

    +0.57%

  • EUR/USD

    -0.0009

    1.165

    -0.08%

Moritz Aisslingers Chronik des Jahres Null
Moritz Aisslingers Chronik des Jahres Null

Moritz Aisslingers Chronik des Jahres Null

Das Jahr null existierte historisch nicht, doch die Epoche um diese fiktive Zäsur war von enormer Bedeutung. Der Journalist Moritz Aisslinger beleuchtet in seinem neuen Werk die parallelen Entwicklungen im Römischen Reich, China und Judäa und entlarvt die Machtpolitik der damaligen Herrscher.

Textgröße:

Der Versuch, die Ereignisse des ersten Jahres unserer Zeitrechnung zu beschreiben, stößt auf ein fundamentales historisches Problem: Das Jahr null hat nie existiert. Dennoch markiert dieser Begriff in der kollektiven Vorstellung einen Anfang, der oft mit der Geburt Jesu Christi verknüpft wird. Der Redakteur Moritz Aisslinger greift dieses scheinbare Rechenproblem auf, um es als Ausgangspunkt für eine umfassende historische Reise zu nutzen. Seine These lautet, dass die Zeit um diese fiktive Zäsur keineswegs leer war, sondern im Gegenteil von einer Dichte an bemerkenswerten Ereignissen geprägt war, die bis heute nachwirken.

Aisslinger konzentriert sich in seinem Werk nicht auf ein einzelnes Jahr, sondern betrachtet einen Zeitraum vom Jahr 29 vor der Zeitenwende bis zum Jahr 35 nach ihr. Er fügt bekannte historische Puzzlestücke zusammen und ordnet sie chronologisch nach dem heute gültigen Kalender. Dabei deckt er Regionen auf, die oft isoliert betrachtet werden: das Römische Reich, China und Judäa. Die Quellenlage ist für diese Gebiete unterschiedlich, doch insbesondere für Rom existieren dichte schriftliche Überlieferungen mit genauen Zeitangaben, die es ermöglichen, Schicksale und Ereignisse präzise zu datieren und ihre Überschneidungen sichtbar zu machen.

Die römische Welt erscheint in dieser Perspektive erstaunlich klein. Statthalter, Heerführer und Kaiser reisten durch ein Reich, das das Mittelmeer als Mare Nostrum bezeichnete und dessen Ufer es beherrschte. Im Zentrum steht Augustus, der erste römische Kaiser, der sich am Ende seines Lebens ebenso von der Macht korrumpiert zeigte wie Herodes in Judäa oder Wang Mang in China. Diese Figuren, die an machtbesessene Herrscher der Gegenwart erinnern, lebten nicht nur zeitgleich, sondern ihre Wege kreuzten sich häufig. Sie waren Berater und Zeitzeugen zugleich, wie Nikolaus von Damaskus, oder Opfer der Mächtigen, wie der Dichter Ovid, der den Rest seines Lebens am fernen Schwarzen Meer verbringen musste.

Aisslinger nutzt eine erzählerische Technik, die an das Schwenken einer Kamera erinnert. Er zoomt nah an einzelne Orte heran und blendet gleichzeitig in andere Regionen ein, etwa ins Partherreich, nach China, Mexiko oder in die Maya-Staaten. Streiflichter lassen künftige Ereignisse in Britannien ahnen oder zeigen den legendären Erfolg des Arminius gegen den in die Falle tappenden Varus im Teutoburger Wald. Auch Indien und Nordafrika werden beleuchtet. Die Nahsicht enthüllt hinter der heldenhaften Fassade von Männern wie Augustus und Tiberius eine Realität, in der über Leichen gegangen wurde, um die eigene Macht zu sichern.

Ein zentrales Thema des Buches ist die Rolle der Frauen und Kinder in dieser turbulenten Epoche. Das Schicksal der Kaisertochter Julia oder der Kaiserenkelin Agrippina wird als bedrückend dargestellt. Auch Kleopatras Tochter Selene, die zum Spielball Roms wurde, oder Salome am Königshof des Herodes, die Unheil stiftete, erhalten Raum. Diese Perspektiven zeigen, wie sehr das Leben der Menschen von den Entscheidungen weniger mächtiger Männer abhängt.

Die Zeit um das Jahr null war dicht gepackt mit Ereignissen, die bis heute nachwirken. Dazu gehören das Scheitern der Römer bei der Eroberung Germaniens, die Entstehung einer neuen Religion durch Saulus, der zum Paulus wurde, das tragische Ende der Ptolemäer-Herrschaft in Ägypten und die Rebellion römischer Truppen am Rhein. Selbst Nachrichten waren in dieser Zeit ohne Zeitungen oder moderne Kommunikation schneller unterwegs, als man vermutet. Ovid schickte aus seiner Verbannung Briefe nach Rom, wo er einst große Erfolge gefeiert hatte. Sein Thema, die freie Liebe, passte jedoch nicht zum autoritären Sittenwächter Kaiser Augustus.

Aisslinger zieht Parallelen zur Gegenwart, indem er zeigt, wie autoritäre Zeiten auch empathielose Zeiten sind. Wer von freier Liebe schwärmt, erzürnt die obersten Wächter der Moral. Diese Dynamik erinnert an erzkonservative Moralisten, die öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein saufen. Der Autor hat Quellen und moderne historische Arbeiten gegen den Strich gelesen, um den Schmonzes an Herrscherverherrlichung abzukratzen und die tatsächlichen Taten der Mächtigen herauszuarbeiten.

In diesem Kontext wird verständlicher, warum ein junger Prediger in Galiläa eine andere Haltung zu Gott und Moral predigte. Seine Jünger waren verwirrt, doch trotz seines Todes am Kreuz veränderte er die Weltgeschichte. Saulus begriff auf dem Weg nach Damaskus, dass diese neue Sekte weltumstürzend war und nicht nur Juden ansprechen sollte. Die Veränderung der Perspektive ist es, die Aisslingers Erzählung bestimmt.

Wer die Taten der Mächtigen nicht aus der Position der historischen Verklärung, sondern aus der Sicht derer betrachtet, die ihren Missmut auf sich gezogen haben, erkennt die Gnadenlosigkeit und Rücksichtslosigkeit ihrer Politik. Dies gilt selbst für Wang Mang, der das chinesische Reich in eine Art Ur-Sozialismus reformieren wollte. Sein Experiment scheiterte nicht nur an einer Überschwemmungskatastrophe des Gelben Flusses, sondern auch an den Verzerrungen der Macht, die ihn den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren ließen.

Mittendrin begegnen dem Leser berühmte Autoren der Zeit, von Vergil bis Ovid. Die römische Elite war bestens mit guter Literatur versorgt, auch wenn diese dem Kaiser aus verlogenen Moralgründen nicht passte. Am Ende des betrachteten Zeitraums beginnt Seneca seine Karriere, und der junge Nero taucht auf. Die Geschichte endet nicht.

Aisslinger schafft es mit seiner Geschichtsrekonstruktion, Geschichte als einen großen breiten Fluss zu zeigen, in dem Personen, Ereignisse und Orte ineinandergreifen. Der Fokus liegt stark auf dem Römischen Reich, doch es wird deutlich, dass auch in anderen Weltregionen Geschichte abrollte, die Wirkungen bis in die Gegenwart haben sollte. Bis hin zu den Bootsbauern in Ozeanien, die sich wagemutig auf die Suche nach neuen Inseln begaben.

Das Buch von Moritz Aisslinger mit dem Titel „Im Jahr Null“ ist im Propyläen Verlag erschienen.

(B.Hartmann--BBZ)