Berliner Boersenzeitung - Der Berliner Gendarmenmarkt erzählt von französischer Einwanderung und Wandel

EUR -
AED 4.106338
AFN 72.678784
ALL 90.706261
AMD 403.095106
ANG 2.001213
AOA 1025.325227
ARS 1727.752164
AUD 1.601998
AWG 2.012635
AZN 1.892349
BAM 1.950506
BBD 2.251091
BDT 139.032672
BGN 1.954303
BHD 0.421814
BIF 3358.863873
BMD 1.11813
BND 1.42962
BOB 13.574645
BRL 6.133724
BSD 1.117667
BTN 106.011291
BWP 15.439512
BYN 3.302138
BYR 21915.356827
BZD 2.2478
CAD 1.560684
CDF 2582.880928
CHF 0.916123
CLF 0.027813
CLP 1094.604935
CNY 7.433664
CNH 7.461273
COP 3590.529321
CRC 508.220715
CUC 1.11813
CUP 26.823203
CVE 110.555136
CZK 24.347682
DJF 198.714406
DKK 7.47497
DOP 67.367152
DZD 152.119079
EGP 61.880917
ERN 16.771957
ETB 181.621685
FJD 2.512159
FKP 0.833264
GBP 0.833706
GEL 2.901525
GGP 0.833264
GHS 13.025763
GIP 0.833264
GMD 82.185303
GNF 9839.548149
GTQ 8.54481
GYD 234.292523
HKD 8.772622
HNL 30.043464
HRK 7.568636
HTG 146.492427
HUF 364.580958
IDR 20279.755604
ILS 3.534638
IMP 0.833264
INR 105.92592
IQD 1694.301751
IRR 2101698.373401
ISK 136.210628
JEP 0.833264
JMD 177.607981
JOD 0.792795
JPY 176.931279
KES 145.290139
KGS 97.780393
KHR 4567.562987
KMF 491.977628
KPW 1006.317362
KRW 1505.277547
KWD 0.348231
KYD 0.931397
KZT 505.807265
LAK 25191.478666
LBP 100128.581561
LKR 371.561601
LRD 190.333767
LSL 18.601516
LTL 3.301549
LVL 0.676346
LYD 7.172534
MAD 10.989475
MDL 20.190745
MGA 5047.301877
MKD 61.526041
MMK 2347.563886
MNT 4026.540828
MOP 9.032287
MRU 45.28809
MUR 52.890596
MVR 17.286869
MWK 1942.192697
MXN 20.805305
MYR 4.558593
MZN 71.446077
NAD 18.601516
NGN 1503.448978
NIO 41.12838
NOK 10.319092
NPR 169.617666
NZD 1.9876
OMR 0.429918
PAB 1.117906
PEN 3.876579
PGK 5.012397
PHP 71.007995
PKR 309.167635
PLN 4.423626
PYG 6616.044389
QAR 4.085512
RON 5.343434
RSD 117.670991
RUB 91.156034
RWF 1653.058036
SAR 4.209134
SBD 9.010126
SCR 15.337287
SDG 672.564544
SEK 10.953307
SGD 1.43256
SHP 0.836736
SLE 25.597118
SLL 23446.641396
SOS 638.76642
SRD 42.018781
STD 23143.042826
STN 24.433688
SVC 9.779459
SYP 14537.931763
SZL 18.595533
THB 37.760352
TJS 10.277076
TMT 3.913457
TND 3.340434
TOP 2.692189
TRY 55.903951
TTD 7.560481
TWD 36.709898
TZS 2955.552012
UAH 51.043072
UGX 4783.019127
USD 1.11813
UYU 44.93804
UZS 13355.75316
VES 992.318184
VND 28809.749184
VUV 132.947359
WST 3.102471
XAF 655.957
XAG 0.022856
XAU 0.000286664834
XCD 3.021803
XCG 2.014233
XDR 0.790576
XOF 655.957
XPF 119.331742
YER 264.103614
ZAR 18.634919
ZMK 10064.514612
ZMW 22.633384
ZWL 360.037549
SSP 6423.883664
MXV 2.342475
  • DAX

    -302.3600

    24896.83

    -1.21%

  • Goldpreis

    -2.0000

    4184.7

    -0.05%

  • Euro STOXX 50

    -85.8200

    6183.2

    -1.39%

  • SDAX

    -226.5300

    18203.94

    -1.24%

  • TecDAX

    -36.8700

    3964.45

    -0.93%

  • MDAX

    -414.1700

    30428.36

    -1.36%

  • EUR/USD

    -0.0038

    1.1296

    -0.34%

Der Berliner Gendarmenmarkt erzählt von französischer Einwanderung und Wandel
Der Berliner Gendarmenmarkt erzählt von französischer Einwanderung und Wandel

Der Berliner Gendarmenmarkt erzählt von französischer Einwanderung und Wandel

Geschichte des Berliner Gendarmenmarktes: Die französischen Gründungen gingen schief Vor 250 Jahren wurde am Berliner Gendarmenmarkt ein französisches Theater eröffnet.

Textgröße:

Geschichte des Berliner Gendarmenmarktes: Die französischen Gründungen gingen schief Vor 250 Jahren wurde am Berliner Gendarmenmarkt ein französisches Theater eröffnet.

In der DDR wollte Peter Hacks dort ein eigenes französisches Theater haben. Hier sollte erst Französisch und dann doch Deutsch gesprochen werden: der Berliner Gendarmenmarkt, etwa 1900

Es war, wie etwa der „Geschichte der Berliner Theater“ von 1899 zu entnehmen ist, Friedrich der Große, der den Befehl gab zum Bau eines Theaters. Ungefähr da, wo heute in Berlin das Konzerthaus steht, entstand ein Gebäude mit über tausend Plätzen.

Der Ort lag außerhalb der Stadtmauern inmitten der Friedrichstadt, einem Zentrum hugenottischer Zuwanderung. 1685 hatte der Große Kurfürst mit dem Edikt von Potsdam den Zuzug der Flüchtlinge aus Frankreich kräftig befördert, ab 1688 wurde die Friedrichstadt als neue Vorstadt geplant und errichtet.

Mittendrin ein Platz, auf dessen südlicher Seite eine deutsche Kirche errichtet wurde und eine französische auf der nördlichen. Beide Kirchen hatten zunächst noch keine Türme – die kamen erst 1785, zu ausschließlich dekorativen Zwecken.

Ihre Kuppeln – französisch: Dôme – sorgten für die inzwischen etablierte Bezeichnung Deutscher und Französischer Dom. Schon früher also war die heutige stadträumliche Figur – zwei Kirchen, ein Theater – auf dem Platz vollendet: „Prophete links, Prophete rechts – das Weltkind in der Mitten“, wie die Berliner in Aneignung eines Goethe-Wortes spotteten.

Obwohl die Berliner Hugenotten damals eine veritable Parallelgesellschaft errichten durften mit eigenen Schulen, Krankenhaus, Diakonie, Gericht, Friedhöfen und ungestörtem Gebrauch der französischen Sprache, gehörte das Theater nicht zu diesen Einrichtungen. Hier bestimmte allein der frankophile Friedrich II.

So kam das Französisch auf die neue Bühne: Mit Pierre Corneilles Märtyrerstück „Polyeucte“ wurde sie am 22. Die in Ulm erscheinende Teutsche Chronik vermerkte am selben Tag missfällig, dass die Schauspieler auf dem Wege seien, „das ohnehin schon halb französische Berlin vollends ganz französisch zu machen“.

Und das Blatt berichtete („Ein Kontrast“), dass „unser teutscher Kaiser Joseph neulich zum Leidwesen aller Französlinge in Wien das ganze französische Theater“ zurückgeschickt habe nach Paris. Doch auch in Berlin war die Freude am neuen Haus mit seiner Giebelinschrift „Ridentur et corriguntur mores“ („Die Sitten mögen belacht und verbessert werden“) nur von kurzer Dauer.

Zuerst hatte der Monarch den Intendanten angewiesen – wie Adalbert Behr und Alfred Hoffmann 1984 in ihrem Buch zum Schauspielhaus belegen – eine schon zuvor in Berlin tätige französische Schauspieltruppe zu entlassen und ein neues Ensemble einzustellen: Er solle „das schlechte Crop, so jetzt noch bei dem französischen Theater ist, je eher, je besser wegschaffen“ und durch „ordentliche und geschickte Leute“ ersetzen, denen gleich Verträge für vier bis sechs Jahre gegeben werden sollten. Dann aber ließ er das Theater nach nur zwei Jahren, in denen dreimal die Woche Racine, Corneille und Voltaire gespielt worden war, aber auch Kinderballett und sogenannte Divertissements, schon wieder schließen.

Der König teilte dem Intendanten mit, dass er die Schauspieler zu entlassen habe und auch selbst von der Gehaltsliste gestrichen sei: „Die gegenwärtigen Conjuncturen bereiten auf ernstere Szenen vor. Man kann sehr gut der komischen entbehren.“

Der König plante, Österreich den Krieg zu erklären. Das Ende des Französischen Komödienhauses war besiegelt.

Das Gebäude stand leer, wurde für die Pfropfenproduktion genutzt, nach einigen Jahren aber – am 5. Dezember 1786 – auf Geheiß des neuen Königs Friedrich Wilhelm II.

wiedereröffnet und bald darauf als „Königliches Nationaltheater“ geführt. 200 Jahre nach Eröffnung des Französischen Komödienhauses, im Frühjahr 1976, beschließt die SED, den schon früher angekündigten Wiederaufbau des kriegszerstörten Ensembles auf dem Gendarmenmarkt, der zu DDR-Zeiten Platz der Akademie hieß, nun tatsächlich umzusetzen.

Als Erstes lässt die DDR die Französische Kirche wiedererstehen – klammheimlich finanziert mit Steuermillionen aus dem Westen, abgesprochen zwischen Diakonie West, Kirche Ost und den DDR-Devisenbeschaffern unter Alexander Schalck-Golodkowski. 5,5 Milliarden DM werden hier im Laufe der Jahrzehnte bewegt, zum Nutzen der Kirchen und zum Freikauf von Gefangenen.

26 in einem 100 Millionen DM schweren Sonderbauprogramm für die Rekonstruktion von Kirchen und den Bau von Gemeindezentren in den Neubauvierteln der DDR ist die Französische Friedrichstadtkirche. Jetzt kommt Peter Hacks ins Spiel.

Der lange in Ost wie West erfolgreiche Dramatiker („Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“) will ein eigenes Haus. So wie Brecht eines hatte mit dem Theater am Schiffbauerdamm („Berliner Ensemble“).

Und dafür schwebt ihm der eben neu entstandene Kirchsaal der Hugenotten vor. Hacks, ebenso streitlustig wie umstritten, geht mit Unterstützung des Freundes und Theologen Walter Beltz – Hacks-Biograf Ronald Weber nennt ihn einen „Strohmann“ – auf die Hugenottengemeinde zu.

Der von Beltz unterzeichnete, aber nach Webers Recherche auf Hacks' Schreibmaschine entstandene Brief an das „hochverehrte Konsistorium“ vom 12. März 82 schlägt der Gemeinde die Gründung eines Französischen Theaters vor, das sich vornimmt, „in seinem Wirken publikumsfreundlich und erfolgreich zu sein und sich jedes Zugeständnisses an spätbürgerliche Modernismen zu enthalten“.

Hacks, der Klassiker der DDR, will die französischen Klassiker spielen: Corneille, Racine und Molière, aber auch deutsche Klassik – Goethe – und natürlich reichlich Hacks selbst. Die Gemeinde ist damals aber gar nicht Herr im eigenen Haus.

Sie hatte die Ruine für 30 Jahre an den Bund der Evangelischen Kirchen der DDR übertragen und ihr damit die Begleitung des Wiederaufbaus angedient. Dennoch ist es die Gemeinde, die den Brief beantwortet.

Eine gelegentliche Nutzung für Aufführungen erscheint dem Konsistorium durchaus denkbar. Doch hat man gravierende Bedenken wegen des absehbaren Konflikts zwischen Theaterbetrieb und kirchlichen Aktivitäten.

Und die Gemeinde schiebt noch ein juristisches Argument gegen das Projekt vor: Die der Gemeinde einst „wegen landesherrlicher Hoheitsakte verliehenen Privilegien“ gestatteten ihr ausschließlich kirchliche und diakonische Aktivitäten – sie sei nicht befugt, die Trägerschaft für eine kulturelle Einrichtung zu übernehmen. Das war ein denkbar schwacher Einwand, betrieb die Gemeinde doch längst eine kulturelle Einrichtung, nämlich das Hugenottenmuseum.

Beim Bund der Evangelischen Kirchen gab es zunächst eine etwas größere Offenheit: „vielleicht braucht man ab und zu Träumer, die uns alle aus eingefahrenen Geleisen herauslocken. Ich halte es in der Tat für erwägenswert, der französischen Theaterkultur einen ständigen Platz zuzuweisen“, heißt es in einem kircheninternen Vermerk.

Andere Kirchenmänner halten Gespräche mit Hacks jedoch für „ziemlich sinnlos“ oder den Antrag gar für das „Produkt einer etwas feuchtfröhlichen Stunde“. Die Absage der Hugenottengemeinde vom 14.

Juli 82 bleibt das letzte Wort in dieser Sache. Die Trauerfeier für den Atheisten Peter Hacks findet am 4.

September 2003 in der Französischen Friedrichstadtkirche statt. Unter den Gästen neben Beltz viele aus der DDR-Kulturszene: Volker Braun, Eberhard Esche, Christoph Hein, Klaus Höpcke, Hermann Kant, Wolfgang Kohlhaase, Werner Mittenzwei.

Auf den Prominentenfriedhof an der Chausseestraße wollte Hacks nicht. Dort liegt auch Heiner Müller, mit dem sich Hacks längst überworfen hatte.

Sein Verleger Matthias Oehme zitiert seine Gründe: „Ich habe mir mit Heiner Müller nicht so viel zu erzählen, dass es für eine Ewigkeit reichen würde.“ Und so wird Hacks auf dem zweiten Friedhof der Hugenotten beigesetzt, in der Liesenstraße, nur wenige Meter entfernt von Theodor Fontane.

Sollten Ihnen Fehler aufgefallen sein, schicken Sie uns gerne eine E-Mail an fehlerhinweis@taz. Inhaltliche Rückmeldungen hinterlassen Sie uns am besten als Leser*innenkommentar unter diesem Text

Als Erinnerungsort an den Kolonialismus in Polen könnte die Preußische Seehandlung viel erzählen. Erzählt aber wird da am Berliner Gendarmenmarkt nichts dazu.

Die Geschichte schreibt ihre Helden und vergisst sie wieder Im Berliner Hugenottenmuseum erinnert Paul Rosiés Glasmalerei an die Bartholomäusnacht vom 23.

Nach 25 Jahren Verfall ist ein denkmalgeschützter Brunnen hinter dem ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude restauriert. Der Park dort ist ein Geheimtipp.

taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro.

Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“

(S.G.Stein--BBZ)