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Inmitten eines milliardenschweren Rechtsstreits mit US-Präsident Donald Trump hat die britische Rundfunkanstalt BBC den ehemaligen Google-Manager Matt Brittin zum neuen Generaldirektor ernannt. Er fühle sich geehrt, in einem "Moment echter Risiken, aber auch echter Chancen" die Leitung der BBC zu übernehmen, erklärte der 57-Jährige nach seiner Ernennung am Mittwoch. Sein Vorgänger Tim Davie war im November nach massiver Kritik an der irreführenden Bearbeitung einer Trump-Rede für eine BBC-Fernsehdokumentation zurückgetreten.
Brittins Name kursierte bereits seit Wochen in britischen Medien als möglicher Nachfolger an der Spitze der BBC. Die Ernennung des ehemaligen Google-Managers und McKinsey-Beraters, der bislang keine Erfahrung im Rundfunkbereich vorzuweisen hat, sorgte laut der Zeitung "Times" trotzdem für einige Verwunderung. Brittin bringe jedoch "umfassende Erfahrung in der Führung einer hochkarätigen und äußerst komplexen Organisation in einem Transformationsprozess mit", erklärte BBC-Präsident Samir Shah nun zur Ernennung. Er sei zudem "eine herausragende Führungspersönlichkeit".
Im Streit um eine vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 ausgestrahlte Dokumentation der BBC hatte Trump die britische Rundfunkanstalt im Dezember auf mindestens zehn Milliarden Dollar (rund 8,51 Milliarden Euro) verklagt. In der Dokumentation waren Ausschnitte aus Trumps Rede vom 6. Januar 2021 so zusammengeschnitten, dass der Eindruck entstand, er habe seine Anhänger direkt zum Sturm auf das Kapitol aufgerufen.
Der Präsident warf der britischen Rundfunkanstalt Verleumdung und Verstoß gegen ein Gesetz über irreführende und unlautere Geschäftspraktiken vor. Der damalige BBC-Generaldirektor Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness hatten nach Trumps Beschwerde ihren Rücktritt erklärt. Inhaltlich wiesen sie seine Vorwürfe jedoch zurück.Die BBC hatte daraufhin angekündigt, sich juristisch gegen die Verleumdungsklage zu wehren.
Wegen seiner Rolle bei der Erstürmung des Kapitols wurde Trump im Jahr 2023 unter anderem wegen Verschwörung zur Behinderung einer offiziellen Amtshandlung sowie zum Betrug an den Vereinigten Staaten angeklagt. Nach Trumps Wahlsieg am 5. November 2024 sah sich die Justiz gezwungen, das Strafverfahren einzustellen.
(L.Kaufmann--BBZ)