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Die Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe hat sich im März überraschend deutlich verbessert. Das Ordervolumen stieg im Vergleich zum Vormonat um 5,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) wies allerdings darauf hin, dass auch "Lageraufstockungen" im Zuge des Iran-Krieges zu dieser Entwicklung beigetragen hätten.
Wie das Statistische Bundesamt ausführte, verteilte sich die positive Entwicklung der Neuaufträge im März auf fast alle Wirtschaftsbereiche. Besonders stark legte demnach das Ordervolumen in der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen mit einem Plus von 21,5 Prozent zum Vormonat zu. Die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen verzeichneten einen Zuwachs von 14,4 Prozent und die Maschinenbauer um 6,9 Prozent.
Die Auftragslage in der Industrie hatte sich bereits in den Vormonaten tendenziell verbessert, teils aber auch durch inländische Großaufträge, unter anderem im Verteidigungsbereich. Im März legten nun die Neuaufträge auch ohne Berücksichtigung von Großaufträgen kräftig zu - und zwar um 5,1 Prozent und damit so stark wie seit Februar 2023 nicht mehr, wie das Bundesamt mitteilte.
Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin erklärte, dass für die derzeitige Entwicklung dabei auch "Vorzieheffekte" verantwortlich seien. Der Iran-Krieg habe zu einem "Energiepreisschock" geführt, der sich zeitlich verzögert auch auf die Preise anderer Güter niederschlagen werde, erläuterte das Ministerium. "Vor diesem Hintergrund dürften im März verstärkt Bestellungen in Erwartung steigender Preise bzw. möglicher Lieferengpässe getätigt worden sein."
Aktuelle Umfragen deuteten bereits auf gestiegene Lieferengpässe in einzelnen Bereichen der Industrie hin, führte das Ministerium aus. Zudem hätten sich Stimmungsindikatoren zuletzt "erneut eingetrübt", was eine Abschwächung der Industriekonjunktur erwarten lasse.
Auch die DIHK sieht den starken Auftragseingang im März deshalb zwar als "erfreulich" an - dieser sei aber "leider kein Vorbote eines Aufschwungs in der Industrie", schränkte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen ein. "Vielmehr verbergen sich dahinter auch Lageraufstockungen, um Lieferkettenstörungen im Zuge des Krieges im Nahen Osten zu begegnen." Darauf würden "die hohen Zuwächse bei den Aufträgen in der Elektrotechnik" hinweisen.
Laut einer Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer zur Krise im Nahen Osten reagiere ein Drittel der Industriebetriebe mit steigender Lagerhaltung auf den Krieg, erklärte Zenzen weiter. "Neben Kunststoffen fürchten die Unternehmen besonders einen Mangel an elektronischen Komponenten."
(B.Hartmann--BBZ)