Berliner Boersenzeitung - Jahresbericht: Sinti und Roma erneut deutlich häufiger bedroht und diskriminiert

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Jahresbericht: Sinti und Roma erneut deutlich häufiger bedroht und diskriminiert
Jahresbericht: Sinti und Roma erneut deutlich häufiger bedroht und diskriminiert / Foto: STEFANIE LOOS - AFP/Archiv

Jahresbericht: Sinti und Roma erneut deutlich häufiger bedroht und diskriminiert

Die Zahl der Bedrohungen und Diskriminierungen von Sinti und Roma hat im vergangenen Jahr erneut deutlich zugenommen. Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) dokumentierte in ihrem am Dienstag vorgestellten Bericht im vergangenen Jahr 2076 antiziganistische Vorfälle. Verglichen mit dem Vorjahr (1678) ist das ein spürbarer Anstieg um 24 Prozent. Im Jahr davor war die Zahl noch deutlicher gestiegen.

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"Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass Antiziganismus in Deutschland kein Randproblem ist, sondern alltägliche, gesellschaftliche Realität", erklärte MIA-Geschäftsführer Guillermo Ruiz. Die Zahlen seien "besorgniserregend" und "besonders alarmierend" sei, dass häufig Kinder und Jugendliche betroffen seien. Das erhöhe das Risiko von lebenslanger Benachteiligung.

Die hohe Zahl der Vorfälle zeige aber auch, dass Betroffene immer häufiger den Mut fänden, sich zu melden und ihre Erfahrungen zu teilen, teilte MIA mit. Der Verband hat eine Bundesgeschäftsstelle sowie Meldestellen in den sechs Bundesländern Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein. Auf deren gemeinsamer Dokumentation basieren die Daten des Jahresberichts. Abgesehen von den dokumentierten Vorfällen geht MIA von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die mit Abstand häufigste Kategorie der Vorfälle bildeten laut Bericht vergangenes Jahr verbale und nonverbale Stereotypisierungen und Herabwürdigungen. Dazu zählen etwa Beleidigungen und Zuschreibungen wie Arbeitsunwilligkeit, Kriminalität und Nomadentun. Danach folgt der Bereich Diskriminierung, etwa in Ämtern und Verwaltungen oder bei der Polizei, wo Sinti und Roma zum Beispiel respektlos behandelt und ihre Anliegen nicht bearbeitet würden. Auch körperliche Angriffe, Sachbeschädigungen und Bedrohungen spielten erneut eine Rolle.

Der Bericht legt diesmal außerdem einen besonderen Fokus auf das Thema Wohnen. Hier beginne die Diskriminierung häufig bereits bei der Wohnungssuche, wenn Sinti und Roma als Bewerber abgelehnt würden. Hinzu kämen Belästigungen, Beleidigungen oder Konflikte mit Vermietern und Nachbarn. "Seit Jahren verzeichnet MIA durchgehend hohe Vorfallzahlen im Bereich Wohnen", beklagte der Bericht.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, bezeichnete den Jahresbericht als "Spiegel gesellschaftlicher Realität" und "eindringlichen Auftrag zum Handeln". Es sei besorgniserregend, dass Antiziganismus in nahezu allen Lebensbereichen auftrete, "auch dort, wo Schutz und Vertrauen selbstverständlich sein sollten".

Der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für Sinti und Roma in Deutschland, Michael Brand, betonte, hinter jedem Vorfall "steht ein Mensch". Daher dürfe beim Vorgehen gegen Antiziganismus nicht nachgelassen werden. Sinti und Roma "leisten wertvolle Beiträge für unsere Gesellschaft und bereichern unser Land".

Um die Lage der Sinti und Roma zu verbessern, forderte MIA eine dauerhafte Finanzierung und institutionelle Förderung der Meldestellen. Außerdem müssten die Kommunen helfen, Diskriminierung bei der Wohnungssuche zu überwinden und es müssten Beratungsstrukturen mit dem Schwerpunkt Antiziganismus aufgebaut werden. Nicht zuletzt müssten die 2021 erarbeiteten Vorschläge der Unabhängigen Kommission Antiziganismus "auch für die jetzige Bundesregierung handlungsleitend sein".

(Y.Berger--BBZ)