Berliner Boersenzeitung - Unterlassene Hilfeleistung: Wann Sie helfen müssen und welche Risiken bestehen

EUR -
AED 4.27542
AFN 76.834966
ALL 92.083024
AMD 422.984342
ANG 2.083613
AOA 1068.709281
ARS 1760.520491
AUD 1.61832
AWG 2.096963
AZN 1.993899
BAM 1.95388
BBD 2.342119
BDT 143.349134
BGN 1.97486
BHD 0.438473
BIF 3472.187953
BMD 1.164171
BND 1.479146
BOB 13.459773
BRL 6.011543
BSD 1.162867
BTN 111.035365
BWP 15.580689
BYN 3.506984
BYR 22817.751468
BZD 2.338722
CAD 1.613139
CDF 2648.489034
CHF 0.936302
CLF 0.027395
CLP 1078.173199
CNY 7.823113
CNH 7.824539
COP 3678.035269
CRC 528.385305
CUC 1.164171
CUP 30.850531
CVE 110.156751
CZK 24.142985
DJF 207.068297
DKK 7.474722
DOP 68.395033
DZD 154.987852
EGP 58.501569
ERN 17.462565
ETB 189.94168
FJD 2.551983
FKP 0.856095
GBP 0.85701
GEL 3.038605
GGP 0.856095
GHS 13.029196
GIP 0.856095
GMD 86.148289
GNF 10220.912223
GTQ 8.874279
GYD 243.280933
HKD 9.127176
HNL 31.269098
HRK 7.5337
HTG 152.13181
HUF 364.529294
IDR 20601.519148
ILS 3.459569
IMP 0.856095
INR 111.114824
IQD 1525.646087
IRR 1600269.447378
ISK 140.201255
JEP 0.856095
JMD 184.611757
JOD 0.825339
JPY 185.798779
KES 150.701925
KGS 101.806469
KHR 4710.236282
KMF 492.444246
KPW 1047.754236
KRW 1597.160811
KWD 0.359473
KYD 0.96906
KZT 538.138117
LAK 26100.713678
LBP 104251.512413
LKR 382.044573
LRD 210.860486
LSL 18.615351
LTL 3.437494
LVL 0.704195
LYD 7.381099
MAD 10.773821
MDL 19.919597
MGA 5047.845168
MKD 61.4646
MMK 2444.493663
MNT 4189.592511
MOP 9.388695
MRU 46.706176
MUR 54.564565
MVR 17.986427
MWK 2022.164626
MXN 19.747361
MYR 4.687068
MZN 74.391248
NAD 18.610951
NGN 1561.513867
NIO 42.748178
NOK 10.849276
NPR 177.656946
NZD 1.957064
OMR 0.447618
PAB 1.162857
PEN 3.901165
PGK 5.163971
PHP 72.476638
PKR 323.173375
PLN 4.332498
PYG 6904.274619
QAR 4.243695
RON 5.258796
RSD 117.294863
RUB 99.566619
RWF 1710.167189
SAR 4.37326
SBD 9.31366
SCR 16.015437
SDG 700.27432
SEK 11.089974
SGD 1.479341
SHP 0.862495
SLE 28.697071
SLL 24412.082743
SOS 664.558369
SRD 43.926472
STD 24095.989108
STN 24.913259
SVC 10.175132
SYP 15136.551145
SZL 18.615707
THB 38.339648
TJS 10.727205
TMT 4.074598
TND 3.372608
TOP 2.803044
TRY 56.165441
TTD 7.893345
TWD 36.781405
TZS 3082.146209
UAH 51.810377
UGX 4366.708926
USD 1.164171
UYU 46.744266
UZS 13748.859198
VES 920.483344
VND 30352.848222
VUV 137.419648
WST 3.154848
XAF 655.324285
XAG 0.016541
XAU 0.000253
XCD 3.146231
XCG 2.095768
XDR 0.823129
XOF 655.318661
XPF 119.331742
YER 275.327359
ZAR 18.605944
ZMK 10478.939277
ZMW 22.12345
ZWL 374.862585
  • TecDAX

    2.4700

    4106.99

    +0.06%

  • Goldpreis

    -9.9000

    4654.1

    -0.21%

  • MDAX

    120.8800

    33068.16

    +0.37%

  • SDAX

    69.3100

    19021.86

    +0.36%

  • Euro STOXX 50

    45.0600

    6469.79

    +0.7%

  • DAX

    141.9000

    26509.14

    +0.54%

  • EUR/USD

    -0.0005

    1.1654

    -0.04%

Unterlassene Hilfeleistung: Wann Sie helfen müssen und welche Risiken bestehen
Unterlassene Hilfeleistung: Wann Sie helfen müssen und welche Risiken bestehen

Unterlassene Hilfeleistung: Wann Sie helfen müssen und welche Risiken bestehen

Wer in einer Notlage nicht hilft, macht sich strafbar. Doch was genau verlangt das Gesetz von Passanten? Rechtsanwältin Leonora Holling und Rechtsanwalt Christian Rode klären auf: Hilfe muss möglich und zumutbar sein, doch wer handelt, ist vor Haftungsrisiken weitgehend geschützt.

Textgröße:

Im Straßenverkehr knallt es, ein Mensch bleibt regungslos am Boden liegen. Für Passanten stellt sich in solchen Momenten die drängende Frage: Muss ich jetzt eingreifen? Was geschieht, wenn ich etwas falsch mache? Und droht mir strafrechtliche Verfolgung, wenn ich einfach weitergehe? Die Antwort des Gesetzgebers ist eindeutig: Hilfeleistung ist in einer Notlage nicht nur eine moralische, sondern auch eine rechtliche Pflicht. Wer anderen in einer solchen Situation nicht hilft, obwohl es ihm möglich und zumutbar wäre, kann sich nach dem Strafgesetzbuch strafbar machen. Diese Tat wird als unterlassene Hilfeleistung bezeichnet.

Doch was genau umfasst dieser Begriff und wo liegen die Grenzen der eigenen Verantwortung? Rechtsanwalt Christian Rode, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht im Deutschen Anwaltverein, definiert den Tatbestand präzise. Ein Unglücksfall sei ein plötzlich eintretendes Ereignis, das eine erhebliche Gefahr für ein Individualrechtsgut mit sich bringe, wie etwa einen Verkehrsunfall. Ob dabei das Leben, die Gesundheit, das Eigentum oder die Freiheit eines Dritten gefährdet ist, spiele für die Hilfsverpflichtung keine Rolle. Eine Ausnahme gilt nur, wenn eine Person die Gefährdung absichtlich und frei verantwortlich herbeigeführt habe.

Neben Unglücksfällen umfasst das Gesetz auch allgemeine Gefahren und allgemeine Notsituationen. Eine allgemeine Gefahr liegt vor, wenn eine Gefahrenlage für eine unbestimmte Zahl von Personen oder von bedeutendem Wert stehende Sachen besteht. Auch hier sind Beobachter zur Hilfe verpflichtet. Gleiches gilt für eine allgemeine Not, also eine die Allgemeinheit betreffende Lage, wie sie durch Naturkatastrophen, Brände, den Ausfall der Wasser- oder Stromversorgung oder Seuchen entsteht.

Zweck dieser Strafnorm ist es, ein Mindestmaß an Solidarpflichten in der Gesellschaft zu sichern. Leonora Holling, Rechtsanwältin und Schatzmeisterin der Bundesrechtsanwaltskammer, erklärt: "Eine unterlassene Hilfeleistung liegt vor, wenn jemand bewusst nicht handelt, schlicht gar nichts unternimmt, obwohl er könnte." Strafbar sei also das bewusste Nicht-Handeln in einer Gefahren- oder Notsituation. Konkret werde dies zum Beispiel dann relevant, wenn man an einer bewusstlosen Person vorbeigehe, wegschauge und keinerlei Aktivität entfalte. Gleiches gelte für Verkehrsunfälle, bei denen man einfach vorbeifahre, oder wenn eine erkennbare Notlage ignoriert werde.

Allerdings ist zusätzliche Hilfe nicht zwingend erforderlich, wenn bereits Rettungskräfte vor Ort sind oder andere Personen ausreichend helfen. Die Pflicht zur Hilfeleistung beschränkt sich auf das, was im Rahmen der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten steht. "Ein Arzt muss anders Hilfe leisten als ein medizinischer Laie", so Christian Rode. Wer nicht wisse, wie man einen Luftröhrenschnitt durchführt, müsse dies auch nicht tun. Wer sich Erste-Hilfe-Maßnahmen zutraue, könne diese jedoch ergreifen. Auch die persönliche Expertise spiele eine Rolle: Ein Bergsteiger am Berg könne andere Hilfe leisten als ein unerfahrener Wanderer, und ein Nichtschwimmer müsse keinen Ertrinkenden retten, während ein Schwimmer es versuchen müsse.

Wichtig ist dabei stets der Grundsatz der Zumutbarkeit. Niemand darf sich beim Helfen in eigene Gefahr begeben oder seine eigene Gesundheit gefährden. Im Zweifel sollten Passanten zumindest den Notruf wählen, sofern noch keine Rettungskräfte in Sicht sind. Dies stellt nach Auffassung von Leonora Holling bereits eine Hilfeleistung dar. Zudem kann die Unfallstelle durch Warnblinklicht oder Warndreieck abgesichert werden. Helfer können betroffene Personen ansprechen, beruhigen und weitere Passanten herbeirufen. Die Art der Hilfe ist also vielfältig.

Die rechtlichen Konsequenzen bei unterlassener Hilfeleistung sind klar definiert: Bei Verurteilung droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Diese Strafe gilt nicht nur für diejenigen, die die Hilfe verweigern, sondern auch für Personen, die Rettungskräfte oder andere Helfer bei ihrer Arbeit behindern.

Ein häufiges Hindernis für das Eingreifen ist die Angst vor rechtlichen Konsequenzen bei Fehlern. Leonora Holling entkräftet diese Sorge: "In der Regel ist keine Strafe oder Schadensersatzpflicht zu befürchten, wenn man helfen will und dabei einen Fehler gemacht hat." Nur im Ausnahmefall, nämlich wenn eine helfende Person grob vorsätzlich oder fahrlässig handle, könne das anders aussehen. Dies sei jedoch sehr selten der Fall. Das deutsche Recht schütze Ersthelfer weitgehend, damit niemand aus Angst vor möglichen Fehlern davon absieht, in einer Notsituation zu helfen.

Christian Rode weist darauf hin, dass Gerichte bei der Beurteilung des Verhaltens auch den Stress und die Unübersichtlichkeit der konkreten Hilfssituation berücksichtigen. Daher gilt im Zweifel: Nicht perfekt zu helfen, ist besser, als gar nicht zu helfen.

(O.Joost--BBZ)